Eine Zwergengeschichte

Plüm und Flämmchen

Erst spät am Abend trat Plüm, der kleine Zwerg, den Heimweg an.   
Schön war es gewesen, das Sommerfest bei seinen Zwergenfreunden. Schon lange hatte er nicht mehr soviel gelacht, so laut gesungen und so köstlich gegessen. Und dieser wunderbare Beerenwein, den sein Freund Mergel jedesmal mitbrachte!
Als Plüm endlich aufbrach, blinkten schon die ersten Sterne am nachtschwarzen Himmel. Wie gerne wäre er schon bei sich Zuhause gewesen und dort in sein gemütliches Zwergenbett gekrochen.
Der Heimweg kam ihm unendlich lange vor. So, als wären die Bäume auseinander gerückt und die Steine und Felsbrocken in die Höhe gewachsen.
Müde und erschöpft setzte er sich auf eine Baumwurzel. Gar nicht weit über seinem Kopf entdeckte er etwas Dunkles, Rundes – ein verlassenes Vogelnest!
„Bequemer und sicherer als auf dem Boden zu schlafen ist das allemal“, dachte er und kletterte mit seinen müden Beinchen in die Höhe. Dort krabbelte er ins Vogelnest und dachte noch einmal an all die schönen Erlebnisse des vergangenen Tages. Dann zog er seine Zwergenmütze tief ins Gesicht und  fiel schon bald in einen seligruhigen Zwergenschnarchelschlaf.
Der Mond mit all seinen Sternenfreunden zog über den Himmel davon und die Sonne stieg auf.

 

 

Doch nicht die Sonne wars, die Plüm weckte, sondern ein Gezeter und Gejammer,  Flügelschlagen und Knarzen.
„Was ist denn hier los?“
Plüm schob seine Mütze über die Augen und war  etwas verwirrt. Aber dann erinnerte er sich wieder an seine nächtliche Wanderung und an das Vogelnestbett. Doch was war das für ein Lärm?

Unter sich auf der Wiese sah er einen grossen Rabenvogel, der von einem Bein aufs andere tanzte, mit den Fügeln schlug und dabei versuchte einen kleinen Feuersalamander aufzupicken. Der Salamander jammerte und wand sich. Doch dann bekam ihn der Rabe an den Schwanzspitze zu fassen, hob ihn hoch und wollte  losfliegen.
„Heh du dummer Vogel!“ rief Plüm. „Weisst du nicht, dass Feuersalamander giftig sind? Aber friss ihn ruhig und wenn ich dich dann das nächste Mal antreffe, werde ich dich sofort erkennen. Deine Augen sind dann rot und nicht mehr schwarz sein und alle deine Federn wirst du auch verloren haben. Guten Appetit!“
Der Rabe hob den Kopf, entdeckte den Zwerg und liess den Salamander augenblicklich fallen. Mit lautem Gekrächze flog er davon. Behende stieg Plüm aus dem Nest und kletterte vom Baum herunter. Er bückte sich und fragte den kleinen Salamander: „Wie geht es dir, hast du Schmerzen?“
„Danke, du hast mir das Leben gerettet“, flüsterte der Salamander und eine Träne rollte ihm übers Gesicht.
„Das habe ich sehr gerne gemacht. Wo tut’s denn am meisten weh und wie heisst du eigentlich?“
„Ich heisse Flämmchen und überall, ich meine es tut überall weh.“
Plüm griff sich an den Rücken, wo eigentlich sein Rucksack hätte sein sollen, aber…… „Wo ist denn mein Rucksack?“ Plüm sah sich suchend um. „Ach du graue Maus! Den habe ich doch tatsächlich unter dem Tisch beim Frühlingsfest vergessen. Im Rucksack wären nämlich meine  HIBEJESCHRÖPFCHEN gewesen. Weisst du was? Du kommst einfach mit zu mir. Zuhause habe ich noch ein ganzes Fläschchen davon.“
„Gerne, aber ich glaube, mein Beinchen ist kaputt. Es tut schrecklich weh“, jammerte Flämmchen.
Da nahm Plüm den kleinen Salamander ganz vorsichtig auf seine Schultern und machte sich auf den Heimweg.

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Zwei Stunden waren vergangen und die Sonne stand schon ganz oben am Himmel, als Plüm mit Flämmchen beim Zwergenhaus ankam.
Behutsam hob er den kleinen Salamander von seinen Schultern und bettete ihn auf eine Decke. Aus dem Küchenschränkchen nahm er das Fläschchen mit den HIBEJESCHRÖPFCHEN und träufelte einige Tropfen in den breiten Salamandermund.
Flämmchen schluckte und verzog das Gesicht.
„Schrecklich bitter, ich glaube nicht, dass ich davon gesund werde.“
„Wir werden sehen“, sagte Plüm und griff nach seinem Verbandskasten.
„Bist du ein Doktor?“, fragte Flämmchen.
„Nein, aber kleinen Feuersalamander mit gequetschten Beinchen weiss ich schon zu helfen.“
Er bestrich das Bein vorsichtig mit einer Kräuterheilsalbe und legte Flämmchen einen Verband an.
„So, nun ruhst du dich aus und ich koche uns eine kräftigende Gemüsesuppe.“
„Suppe? Ich glaube Suppe mag ich nicht“, seufzte Flämmchen.
„Wir werden sehen“, antwortete Plüm und machte sich ans Kochen.
„Mmhhhh, das riecht gut. Ich habe noch nie Suppe gegessen, aber ich könnte ja probieren“, sagte Flämmchen leise.
„Also los, setz dich an den Tisch und geniesse deine erste Suppe!“

Die Suppe schmeckte Flämmchen ausgezeichnet und wurde bis aufs letzte Tröpfchen aus der kleinen Holzschale geleckt.
Den Nachmittag verbrachte beide im Kräutergarten. Während Plüm an den Pfanzen zupfte, schnupperte und schnippelte, döste Flämmchen im Schatten eines grossen Steins.
Am Abend richtet Plüm für seinen Gast ein Nachtlager her und beide machten es sich in ihren Betten bequem.
„Erzählst du mir eine Geschichte?“, fragte Flämmchen.
„Eine Geschichte? Was denn für eine Geschichte? Ich kenne keine Geschichte.“

„Ich meine eine Gutenacht-Geschichte aus einem dicken Geschichtenbuch.“
„Ach so“, sagte Plüm, „ein dickes Buch habe ich schon, aber es sind etwas spezielle Geschichten.“
„Egal, ich mag alle Geschichten“, gähnte Flämmchen und kroch noch etwas tiefer unter die Bettdecke.
Der kleine Zwerg kletterte aus seinem Bett und holte aus der Truhe sein dickes Buch „ALTES KRÄUTERWISSEN FÜR KRÄUTERZWERGE“. Er setzte sich damit auf die Bettkante, schlug es auf und begann zu lesen:
„ANIS, lateinisch Pimpinella anisum, ist ein altes Gewürzkraut. Es kann als Heilkraut, sowie als Gewürz in der Küche verwendet werden. Sein heilende Wirkung zeigt sich bei bei Husten, Blähungen, zudem regt es den Appetit an. Es wirkt wärmend, krampflösend und schleimlösend…………………“
So las Plüm noch eine ganze Weile vor, bis er aus Flämmchens Schlafkorb  leise Schnarchgeräusche vernahm. Er legte das dicke Buch beiseite, flüsterte ein „Gutenacht“ und blies die Kerze aus.

Euch allen auch eine gute und erholsame Nacht!

Flämmchen kann schwimmen!

„Hast du gut geschlafen?“, fragte Plüm schon fertig angezogen. Dabei beugte er sich über Flämmchens Schlafkorb.
„Wunderbar“, antwortete Flämmchen und streckte sich .
„Dann komm, es gibt Frühstück und danach schaue ich mir dein Beinchen an“.
Nach dem Morgenessen legte Plüm dem kleinen Salamander einen neuen Verband an und Plüm schaute interessiert zu.
„Du machst das sehr gut und du bist sehr nett,“ sagte Flämmchen leise, „darf ich bei dir bleiben?“
Plüm richtete sich auf. „Meinst du damit, dass du für immer hier bleiben möchtest?“
„Ja und ich will dein Freund sein!“, antwortete Flämmchen.
Plüm kratzte sich am Kopf , dann sah er den kleinen Feuersalamander nachdenklich an.
„Weisst du, es ist so: ein Freund wird man nicht einfach so über Nacht. Richtige Freunde kennen sich meistens sehr lange. Sie haben viel zusammen erlebt, Schönes und Trauriges, Spannendes und manchmal sogar Gefährliches. Sie sind immer füreinander da und helfen sich gegenseitig. Weisst du, was ich meine?“
Flämmchen machte ein trauriges Gesicht und blickte zu Boden.
„Aber bis du wieder ganz gesund bist, darfst du auf jeden Fall bleiben. Nur heute wirst du einige Zeit alleine hier sein. Ich muss meinen Rucksack holen, den ich am Zwergenfest vergessen habe.“
„Darf ich mitkommen?“, fragte Flämmchen.
„Wie soll das gehen? Du kannst den weiten Weg mit deinem verletzten Bein nicht gehen und ich kann dich nicht die ganze Strecke tragen“, entgegnete Plüm.
„Ich bin nicht gerne alleine“, flüsterte Flämmchen.
Plüm überlegte kurz und sagte dann: „Warte, ich habe da eine Idee.“
Er verschwand hinter dem Haus und kehrte bald darauf mit einem kleinen Wagen zurück. Er legte eine Decke hinein und hob Flämmchen hoch und setzte ihn in den Wagen.
„Meinst du, das wird gehen?“
„Oh ja, natürlich, wunderbar, danke!“ Flämmchens Augen strahlten.

Und dann machten sich die beiden auf den Weg………….

Am Anfang ging die Reise noch ganz flott voran, aber als der Weg anstieg und immer steiler wurde, hielt Plüm an und machte eine Verschnaufpause.
„Bin ich dir zu schwer?“, fragt Flämmchen.
Plüm wandte sich um. „Nein nein, nur ein kurzer Halt für einen alten Zwerg.“

„Guten Morgen mein lieber Freund, ich wollte dir deinen Rucksack bringen, den du vergessen hast!“
Mitten auf dem Weg stand Mergel und streckte Plüm seinen Rucksack entgegen.
„Mergel, mein Guter! Was für eine Überraschung!“, rief Plüm erfreut. Er lief auf Mergel zu und die beiden Freunde umarmten sich.
„Da bin ich aber froh, mit dem Wagen wäre es schwierig geworden. Ich bin nämlich nicht alleine unterwegs. Darf ich die meinen Begleiter Flämmchen vorstellen“, er drehte sich um, „aber wo ist denn der Wagen?“

Der Wagen, den Plüm für die Begrüssung kurz losgelassen hatte, rollte rückwärts den Hügel hinab, wobei er stetig schneller wurde. Holpernd kam er vom Weg ab und plumste kurz darauf in einen Bach.

Plüm und Mergel stürmten zum Bach hinunter. Dort entdeckten sie den kleinen hölzernen Wagen, der auf dem Wasser trieb. Aber von Flämmchen war nichts zu sehen.

„Flämmchen, Flämmchen wo bist du?“, rief Plüm verzweifelt. Er stolperte dem Bachufer entlang und versuchte den kleinen Salamander zwischen Wellen, Steinen und Grasbüscheln zu entdecken.
„Hier bin ich.“ Vorsichtig kletterte Flämmchen aus dem Wasser.
„Flämmchen, was bin ich froh, dass dir nichts passiert ist. Ich hatte solche Angst, dass du ertrinken würdest.“
„Ich kann schwimmen!“, jubelte Flämmchen. „Ich habe es selbst nicht gewusst!“
Liebevoll streichelte Plüm über Flämmchens Kopf. „Es tut mir leid.“

Dann fischten die beiden Zwerge den Wagen aus dem Bach.

Danach suchten sie sich ein trockenes Plätzchen und Mergel kramte aus seinem Rucksack ein feines Picknick.
„Kennt ihr euch schon lange?“ fragte Mergel.
Plüm und Flämmchen erzählten abwechslungsweise die Geschichte vom frechen Raben, von der ersten Suppe, vom Schlafkorb und von der Gutenacht-Geschichte.

Dann verabschiedeten sich die Freunde voneinander und versprachen sich bald zu besuchen.
Plüm hob Flämmchen in den Wagen.
„Ich werde ganz vorsichtig sein und den Deichselgriff erst zuhause wieder loslassen, das verspreche ich dir“, sagte Plüm und sie machten sich auf den Heimweg.

Beim Zubettgehen sagte Flämmchen zu Plüm: „Heute war ein schöner Tag.“
„Ja, das stimmt.“
„Wir haben viel zusammen erlebt, Spannendes und sogar ein bisschen Gefährliches.“
„Genau, soll ich dir noch etwas vorlesen?“, fragte Plüm.
„Eine spannende Kräutergeschichte? Gerne.“

Doch schon nach kurzer Zeit war Flämmchen eingeschlafen.
Darüber gar nicht traurig, legte Plüm das schwere Buch beiseite, blies die Kerze aus und fiel schon bald in einen tiefen Zwergenschlaf.

Gute Nacht und süsse Träume!

Vom Sammeln und Tauschen

Die Tage vergingen und für beide war es selbstverständlich geworden, sie zusammen zu verbringen.
Flämmchen wurde wieder ganz gesund und sein Beinchen brauchte keinen Verband mehr.
Plüm verbrachte viel Zeit im Garten, sammelte Beeren, schnitt Kräuter und pflegte seinen Gemüsegarten.
Flämmchen hielt sich meistens im Schatten auf, entweder legte er sich ins kühle Moos oder er kroch unter einen Stein. Seine empfindliche Haut vertrug die Sonne nicht.

Mit einem grossen Korb voller zusammen gebundener Kräuter marschierte Plüm ins Haus.

„Was machst du da?“, fragt Flämmchen, als Plüm eine Leiter an die Wand stellte und anfing seine Kräuterbüschel aufzuhängen.
„Ich hänge meine Kräuter zum Trocknen auf. Später brauche ich dann einen Teil davon, um Tee und Medizin zu machen. Und natürlich koche ich auch damit. Das gibt dem Essen einen besonders feinen Geschmack.“
„Und was machst du mit dem anderen Teil?“, fragte Flämmchen interessiert.
„Ich tausche.“
„Tausche? Was heisst das?“
„Tauschen heisst: Ich gebe etwas und bekomme etwas anderes dafür.“
Plüm stieg von der Leiter und setzte sich an den Tisch.
„Ich könnte dir zum Beispiel diese Schüssel mit Melissen geben und du gibst mir dafür………..“
„Meinen Schlafkorb?“, fragte Flämmchen.
„Ich weiss nicht, ob das ein guter Tausch wäre. Du brauchst doch deinen Schlafkorb. Tauschen solltest du mit etwas, das du nicht brauchst oder von dem du mehr hast, als du brauchst“, erklärte Plüm.
Flämmchen sah sich um und meinte dann enttäuscht: „Ich habe gar nichts und erst recht nicht mehr, als ich brauche.“
„Mach nicht so ein trauriges Gesicht. Du hast doch alles, was du brauchst. Oder fehlt dir etwas?“
„Ich weiss nicht, ich denke noch etwas darüber nach.“

Später machten die beiden noch einen Spaziergang.
Flämmchen war froh, dass er alle vier Beine wieder richtig bewegen konnte und eilte voraus. Doch plötzlich blieb er stehen.
„Plüm, komm schnell hierher. Schau was ich gefunden habe!“, rief er ganz aufgeregt.

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„Oh, ein Steinpilz, wunderbar! Flämmchen das ist ein richtig toller Fund. Jetzt besitzt du einen Pilz und erst noch einen sehr, sehr köstlichen. Das gibt ein herrliches Abendessen“, meinte Plüm lächelnd.
Flämmchen strahlte. „Und was machen wir jetzt damit?“
„Wir nehmen ihn natürlich mit nach Hause.“
„So einen grossen Pilz? Wie wollen wir das denn machen?“
„Du bist doch stark – und ich bin es auch, also los!“
Plüm durchtrennte mit einem kleinen Messer den Stiel, sodass der Pilz auf die Seite kippte. Danach löste er vorsichtig den Hut ab.
„Glaubst du, dass du den Stiel auf deinem Rücken tragen kannst?“, fragte er Flämmchen.
„Aber ganz sicher“, antwortete dieser.
Plüm band den Stiel auf Flämmchens Rücken, nahm seine Zwergenmütze vom Kopf und setzte den Pilzhut auf.
Schwer beladen machten sich die beiden auf den Heimweg.

Zuhause schnitt Plüm den Pilz in kleine Stücke und Flämmchen legte sie zum Trocknen aus.
Einige Stückchen legt Plüm allerdings auf die Seite und kochte später an einem Feuer im Garten einen herrlich duftenden Pilzrisotto.

Stella uns Stellinas Tauschladen

Einige Tage später wickelte Plüm einen Teil seiner getrockneten Kräuter in ein Tuch und leerte die getrockneten Pilze in einen Korb. In seinen Rucksack steckte er einige Fläschchen mit HIBEJESCHRÖPFCHEN.
All diese Sachen packte er auf den kleine Wagen und zurrte sie mit einer Schur fest.
„Heute besuche ich Stella und Stellina in ihrem Tauschladen. Ich tausche einige Sachen ein. Auch einen Teil deines Pilzes, wenn es dir recht ist“ erklärte er Flämmchen.
„Oh ja, sehr gut. Kann ich dich begleiten?“
„Das geht heute leider nicht. Auf dem Wagen ist kein Platz mehr und zu Fuss ist es zu weit für dich. Aber ich werde mich beeilen.“
Dann winkte er Flämmchen zum Abschied und machte sich auf den Weg.
Das Gras war feucht und farbige Blätter tanzten im Wind. Der Herbst war gekommen.
Es war schon eine ganze Weile her, dass Plüm im Tauschladen von Stella und Stellina gewesen war und er freute sich auf das Wiedersehen.
Als er gegen Mittag ankam, stellte er den Wagen vor der Türe ab und trat ein.
„Guten Tag Stella, guten Tag Stellina, schön euch zu sehen! Wie geht es euch?“
„Plüm, was für ein Überraschung!“, begrüssten ihn die beiden Zwergenfrauen. Und dann wurde zuerst einmal ausgiebig geplaudert, erzählt und gescherzt.
„Und, was hast du uns Schönes mitgebracht?“, fragte Stella.
„Es liegt alles auf dem Wagen draussen, Kräuter, getrocknete Pilze und einige Fläschchen mit Heilmedizin“, erklärte Plüm.
„Oh, du meinst die Hilftbeijedemschmerztröpfchen? Wunderbar, die sind sehr begehrt und immer sofort ausgetauscht“, erwiderte Stella lächelnd.
Die beiden halfen Plüm beim Abladen und trugen alles hinein.
Darauf schaute sich Plüm im Laden um.
„Ich bräuchte Reis und Linsen und 3 Säcke Mehl. Dazu noch eine Flasche Öl, einen dicken Stoff für eine warme Winterjacke und Kerzen. Was ist das da oben?“ Plüm zeigte auf etwas Grosses, Blaues zuoberst auf dem Regal.

„Das ist ein Buch, ein Geschichtenbuch. Es steht schon lange da oben. Bis jetzt hat sich niemand dafür interessiert. Soll ich es herunter holen?“, fragte Stellina.
„Sehr gerne, danke“, sagte Plüm und Stellina stieg auf die Leiter. Sie nahm das Buch und blies zuerst den Staub weg. „Oh, es steht wirklich schon lange hier oben. Es ist ein Gutenacht-Geschichtenbuch.“

„Gute Nacht Geschichten“, las Plüm und wurde ganz aufgeregt. „Kann ich es tauschen?“
Stella und Stellina zwinkerten sich zu und sagten dann: „Nein – aber wir möchten es dir schenken.“
„Vielen Dank, ihr wisst gar nicht, was für eine Freude ihr mir damit macht.“

Stella und Stellina halfen Plüm alle Sachen auf den Wagen zu packen.
Dann gab es eine herzliche Verabschiedung und Plüm machte sich beschwingt auf den Heimweg.
Als er sein Zuhause schon fast erreicht hatte, entdeckt er den kleinen Feuersalamander.
„Wartest du auf mich?“
„Natürlich, ich sitze schon eine ganze Weile hier“, sagte Flämmchen, „seit Luisa sich verabschiedet hat. Luisa ist eine Maus und eigentlich wollte sie zu dir, aber weil du nicht da warst, hat sie den Nachmittag mit mir verbracht. Wir haben Verstecken gespielt und sie hat mir viele Lieder vorgesungen. Sie singt sehr schön.“

„Oh ja, ich kenne Luisa. Schön, dass du nicht den ganzen Tag alleine warst“, entgegnete Plüm. „Ich habe einiges eingetauscht. Reis, Linsen, Kerzen und noch ein paar andere Sachen.“
Während Flämmchen die Stoffsäcke ins Haus trug, schob Plüm das Geschichtenbuch schnell unter sein Bett.

Am Abend sassen die beiden vor dem Haus und beobachteten, wie die Sonne langsam hinter dem Berg verschwand.
„Wann hast du eigentlich Geburtstag?“, fragt Plüm.
„Geburtstag? Was ist das?“
„Geburtstag ist der Tag, an dem man auf die Welt gekommen ist.“
„Ich glaube, ich war schon immer auf der Welt“, antwortete Flämmchen.
Plüm lächelte. „Nein Flämmchen, jeder kommt irgendwann auf die Welt und das ist dann sein Geburtstag. Dieser Tag wird  jedes Jahr gefeiert. Das nennt man dann Geburtstagsfest.“
Flämmchen machte ein betrübtes Gesicht. „Ich weiss nicht, wann ich auf die Welt gekommen bin und ich habe auch noch nie Geburtstag gefeiert.“
„Weisst du was? Wir suchen einfach einen passenden Tag für dich. Wie wäre es, wenn wir deinen Geburtstag am nächsten Sonntag feiern würden?“, fragte Plüm.
„Oh, das wäre wundervoll! Wie geht Geburtstag feiern?“
Plüm dachte eine Weile nach. „Das wichtigst ist, dass es dem Geburtstagskind richtig gut geht. Es wird beschenkt und bekommt Glückwünsche. Meistens gibt es Kuchen, den das Geburtstagskind mit seinen Gästen teilt.“
„Gäste?“, fragte Flämmchen.
„Wir könnten jemanden einladen, zum Beispiel Mergel.“
„Ja, und Luisa. Sie könnte etwas vorsingen“, meinte Flämmchen.
„Eine sehr gute Idee! Gleich morgen beginnen wir mit den Vorbereitungen“, 

Und so machten sie es. Plüm buk einen saftigen Apfelkuchen, die Gäste bekamen eine Einladungskarte und das Zwergenhaus wurde festlich geschmückt.
Flämmchen war so aufgeregt, dass er kaum mehr schlafen konnte.

Dann war es endlich soweit. Mergel brachte seine Gitarre mit und schenkte Flämmchen ein Bild, das er selber gemalt hatte.
Auch Luisa kam. Sie brachte ihre schönste Nuss mit, die sie mit Goldfarbe veziert hatte.
Sie sangen und tanzten zusammen, wünschten Flämmchen Glück, Gesundheit und ein langes Leben. Dann wurde der Geburtstagskuchen angeschnitten und bis aufs letzte Stück wegschnabuliert. Es war wirklich ein sehr schönes Geburtstagsfest!

Als der Mond hinter den Bäumen hochstieg, verabschiedeten sich die Gäste vom Geburtstagskind und von Plüm.
Es war schon spät und Zeit ins Bett zu gehen.
Als Flämmchen es sich in seinem Schlafkorb bequem machte, sagte Plüm: „Mein lieber Freund, ich habe auch ein Geschenk für dich.“
Flämmchen hob erstaunt den Kopf: „Du hast Freund zu mir gesagt.“
„Aber natürlich, wir sind doch jetzt Freunde. Wir kennen uns schon richtig gut und wir haben viel zusammen erlebt – Schönes, Spannendes und auch ein bisschen Gefährliches. Du hast mir geholfen und ich habe dir geholfen. Und darum möchte ich dir das hier schenken“, er bückte sich und holte unter dem Bett das Geschichtenbuch hervor. „Von heute an kann ich dir jeden Abend eine Gutenacht-Geschichte vorlesen.“
Über Flämmchens Wange kullerte eine kleine Freudenträne: „Danke“, flüsterte er. „Heute ist der schönste Tag in meinem Leben.“

Und damit endet vorerst einmal die Geschichte von Plüm und Flämmchen.

Ich hoffe, sie hat euch gefallen.

Eli

Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. Liebe Eli
    Kannst die Geschichte weiter dichten,
    Flämmchen geht jetzt in den Winterschlaf und wäre beinahe erfroren.
    Und dann gibt es wieder ein Frühlings Erwachen.
    Übrigens mach doch gleich ein Märchenbuch.

    1. Lieber Hans
      Danke für deine Vorschläge. Allerdings würde Flämmchen viel verpassen, wenn er jetzt in einem dunklen Loch verschwinden würde. Wer hat schon die Möglichkeit, den Herbst und die gemütliche Winterzeit zusammen mit einem Zwerg zu verbringen?
      Lass dich überraschen😉 Eli

  2. Liebe Eli
    Bitte mach‘ weiter!
    Erfreue mich sehr an deiner wunderbaren Geschichte…
    Herzlichst
    Daniela.

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